Christian steht mit Oksana beim Einwohnermeldeamt. Sie muss die Adressen ihrer Angehörigen angeben. Eine Träne rollte über ihre Wange, weil sie ihren 21-jährigen Sohn in der Ukraine zurücklassen musste und bei ihm “Kaserne” einträgt. Das ist eines der wenigen Male, dass Oksana eine Träne verlieren wird, nachdem sie, ohne ihren Sohn und nur mit ihrer 10-jährigen Tochter, die Ukraine verlassen musste. “Ansonsten sind ihre Schilderungen sehr neutral, ihre Anliegen pragmatisch. Wir haben immer den Kloß im Hals, wenn sie was von ihrem Leben erzählt”, sagt Christian dazu.

Er und seine Familie haben die Mutter und ihre Tochter über #Unterkunft Ukraine aufgenommen. Vom Pragmatismus, den Oksana mitbrachte, war Christian besonders beeindruckt. “Wir saßen fünf Minuten im Auto da fragte sie schon: Ich bin gelernte Krankenschwester – könnt ihr mir helfen, einen Job zu finden?”, und zu seiner Überraschung war dies keine große Herausforderung. “Ich bin begeistert, wie schnell man viel bewirken kann”.

In kürzester Zeit waren alle Formalitäten erledigt, die Tochter an der Schule angemeldet und nun hat Oksana ein erstes Jobinterview. “Dabei haben sich all die Sorgen, die wir vorher hatten, in der Sekunde aufgelöst, in der die beiden da waren. Da war sofort die Zufriedenheit darüber, das Richtige zu tun”, sagt Christian.

Und auch jetzt, nach eineinhalb Wochen ist das Gefühl noch da. “Wichtig im Vermittlungsprozess ist wirklich einfach das Machen”, erläutert Christian und fügt hinzu: “Aber eben auch, Grenzen zu formulieren”. Denn Christian musste seine erste Vermittlung ablehnen. “Ich hab mich richtig mies gefühlt, aber zwei Erwachsene passen einfach nicht in die Wohnung. Das Team von #Unterkunft Ukraine hat mir am Telefon klar gemacht, dass es okay und wichtig ist, ehrlich zu sein mit dem, was man geben kann.” Sobald man seine Möglichkeiten geklärt hat, sei es jedoch wichtig, hilfsbereit zu sein. “Wir leben 2000 km entfernt und haben alles. Da kommen Menschen, denen nur noch zwei Plastiktüten geblieben sind. Da leitet sich schon eine Verantwortung ab.”