Portraits

Unser Team: Felice

An dem Donnerstag, als es in den Nachrichten losging, schweben Fragen und Gedanken durch die Räume von Project Together. Die Wegbereiter*innen für Soziale Innovationen haben sofort das Bedürfnis, ihre Ressourcen für die momentane Situation bereitzustellen. Es dauert keinen Tag bis die Mitarbeitenden mit den Ehrenamtler*innen von #Unterkunft Ukraine zusammen sitzen. “Es fühlt sich schon wie ein Damals an, dabei ist es erst zwei Wochen her”, sagt Felice. Sie ist von Project Together und koordiniert für #Unterkunft Ukraine die Kooperationen mit anderen Hilfsorganisationen und den freiwilligen Helfenden in Berlin.

Dafür telefoniert sie täglich mit den Freiwilligen an den Bahnhöfen, flitzt vom Berliner ZOB zum HBF und versucht den langsamen Vorgängen entgegen zu wirken. Es gibt zwar genügend Freiwillige, doch muss oft auf Entscheidungen des Landes Berlin gewartet werden. Die logistische Herausforderung für die Stadt macht sich besonders in den Notunterkünften bemerkbar. Die Kooperation mit den Freiwilligen ist hier nicht wegzudenken, entlasten sie das System doch enorm.

Das Tempo wird jedoch auch aufgrund von Sicherheitsfragen gedrosselt. Denn um diese garantieren zu können, müssen sämtliche Daten aufgenommen und die Pässe kontrolliert werden. Das gilt auch für die Vermittlung zu Privatpersonen. Hier muss genau überprüft werden, wer zu wem vermittelt wird, weshalb die Vermittlung auch nicht automatisiert erfolgen sollte. Zudem ist echter Kontakt gerade besonders wichtig. Für Verunsicherte ist jemand, der persönlich erklärt, was passieren wird, geeigneter als eine automatische Mail.

Bis in die späten Morgenstunden saß Felice in der ersten Woche mit den Anderen hier, an Laptop und Telefon. “Wenn man abends einen Anruf bekommt, mit der Ansage: “Wir sind jetzt in Krakau losgefahren und haben viele Menschen dabei – auch viele Kinder. Wo können wir hin?”, da sagt man nicht: Sorry, ich kann jetzt nicht helfen, ich geh schlafen”, meint Felice.

Vor zwei Tagen hat sie eine Mutter mit ihrem Sohn und einer großen Dogge in eine Unterkunft begleitet, weil sie mit dem Hund nicht in der Notunterkunft bleiben konnte.

Unter Tränen erzählte die Frau ihr, dass ihr ganzes Leben aufgehört hätte. Ihr Mann und ihre Eltern sein noch in Charkiv, das seit Tagen bombardiert wird. Das einzige, was sie hält, sei ihr Sohn und der Hund.

“Ich kann nur erahnen, wie schmerzvoll das sein muss.”

“Aber umso schneller es uns gelingt, sie hier richtig aufzunehmen, desto leichter wird es ihr fallen, trotz des Erlebten zu überleben. Und ihrem Sohn und sich selbst eine Zukunft aufzubauen”, beschreibt sie. “Ich bin unglaublich dankbar, dass ich jetzt an Wegen arbeiten kann, Geflüchtete von Anfang an durch persönliche Beziehungen zu stärken und integrieren zu können. Jede Minute meines Einsatzes ist wertvoll, wenn ich sehe, wie diese Familien ein sicheres Zuhause finden.”

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